Gebäudebild von Aktiengesellschaft für Kind und Familie

100 Jahre AG zum Bau von Wohnungen

Vorgeschichte und Gründung 1895 - 1897

Die Geschichte der AG beginnt bereits vor dem Gründungsjahr 1897. Sie verdankt ihre Gründung und tatkräftige Förderung dem Wormser Unternehmer Cornelius Wilhelm Freiherr Heyl zu Herrnsheim, der in vorbildlicher Weise bemüht war, die sozialen Verhältnisse, insbesondere die des Wohnens, für die Arbeiterfamilien zu verbessern.

Im Jahre 1895 anläßlich eines Besuches der Lederwerke Cornelius Heyl durch das hessische Großherzogpaar, hatte der Freiherr Heyl zu Herrnsheim zur Fortsetzung seiner schon seit langem betriebenen Wohnungsfürsorge für Werksangehörige einen namhaften Betrag und zugleich einen größeren Geländekomplex im Liebenauer Feld, zwischen Worms und den Vororten Hochheim und Neuhausen gelegen, für die Errichtung gesunder und freundlicher Arbeiterwohnungen zur Verfügung gestellt. Auf diesem Gelände wurden bis zum Jahre 1912 von den Lederwerken Cornelius Heyl 42 Häuser mit 84 Wohnungen errichtet.

Freiherr Heyl zu Herrnsheim suchte nun weitere Persönlichkeiten, um sein Anliegen, der Schaffung von guten und billigen Wohnungen für Arbeiterfamilien und Minderbemittelten in Worms, auf eine breitere Basis zu stellen. Baugelände stand ihm zur Verfügung. Man schrieb den 15. November 1897 als sich im Hotel „Zum alten Kaiser“ 29 Wormser Bürger zur Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft zusammenfanden. Im Register II Nr. 19 des Amtsgerichtes Worms findet sich unter dem 17. Dezember 1897 die erste und sehr ausführliche Eintragung über die Gründung der Gesellschaft. In der im Register feinsäuberlich handschriftlich aufgezeichneten Satzung heißt es im § 1:

„Gegenstand des Unternehmens ist der Bau von Häusern und kleinen Wohnungen, der Ankauf und die Herrichtung bereits vorhandener Häuser zu dem selben Zwecke, der Erwerbung oder die Pachtung des nötigen Baugeländes sowie der Verkauf und die Vermietungen der solcher Gestalt geschaffenen Wohnungen zu billigeren Preisen an unbemittelte, insbesondere Arbeiter ... „.

Die Gesellschaft erhielt den Firmennamen:

Aktiengesellschaft zur Erbauung billiger Wohnungen namentlich zum Besten von Arbeitern in Worms am Rhein.

Sie wurde auf gemeinnütziger Grundlage gebildet und die Dividende auf maximal 4 % des eingebrachten Kapitals festgeschrieben. Bei einer evtl. Auflösung der Gesellschaft sollte ein etwaiger Überschuß aus dem Vermögen der Stadt Worms zufließen.

Das Aktienkapital bei Gründung betrug 200.000,-- Mark und war eingeteilt in 1.000 auf den Namen lautenden Aktien zu je 200,- Mark. Freiherr Heyl zu Herrnsheim zeichnete die Hälfte der Aktien und brachte auch das Baugelände im Liebenauer Feld zum Selbstkostenpreis von 2,77 Mark pro m² in die Gesellschaft ein.

Die Stadt Worms zeichnete über die städtische Sparkasse Aktien im Wert von 40.000,-- Mark, weitere namhafte Anteile zeichneten die Firma Doerr und Reinhart, die Kunststoff-Wollfabrik W.J.D. Valckenberg, das Kaufhaus Goldschmidt, die Brauerei Berger und die Pfälzische Bank.

Der erste Aufsichtsrat bestand aus folgenden Herren:

  • Freiherr Heyl zu Herrnsheim, Vorsitzender
  • Oberbürgermeister Küchler, stellvertr. Vorsitzender
  • Bankdirektor August Schöneck
  • Albert Goldschmidt
  • Nikolaus Andreas Reinhart
  • Dr. med. Bernhard Goldbeck
  • Fabrikaufseher Peter Kern.

Zum ersten Vorstand, der seine Tätigkeit nebenberuflich ausübte, wurden bestellt die Herren:

  • Rudolf Langenbach, Weinhändler
  • Hermann Hochgesand, Fabrikdirektor
  • Jochen Jungheinrich, Fabrikant

Herr Hochgesand – von Hause aus Architekt – hat mit Sachkenntnis bis zum seinem Tode 1913 die Erbauung und Unterhaltung der Häuser geleitet und überwacht. Seine tatkräftige Mitarbeit hat wesentlichen Anteil daran, daß das Wohnquartier im Liebennauer Feld solch mustergültige Gestalt erfahren hat.

Planungs- und Bebauungskonzept

Die ersten 25 Jahre – 1897 bis 1992

Der Geländekomplex im Liebenauer Feld, den Freiherr Heyl zu Herrnsheim zur Verfügung gestellt hat, wird heute durch die Liebenauer-, Bebel-, von-Steuben- und Pestalozzistraße begrenzt. Ein Teil des Geländes wurde von den Lederwerken Cornelius Heyl, im wesentlichen eingegrenzt durch das Viereck zwischen der Schützen-, Alice-, Benediktinerstraße und dem Neuhauser Weg, bebaut. Ein weiterer Teil wurde seitens der AG an private Bauninteressenten verkauft. Der verbleibende größere Teil des Geländekomplexes wurde durch die AG nach den festgeschriebenen Unternehmenszielen bebaut.

In der Zeit zwischen dem Besuch des hessischen Großherzoges bei den Lederwerken Cornelius Heyl im Jahre 1895 und der Gründung der AG im Jahre 1897 waren bereits die Aufteilung des Geländes sowie die Pläne der zu errichtenden Häuser vom damaligen Stadtbaumeister der Stadt Worms, Herrn Karl Hoffmann, ausgearbeitet worden – in solch mustergültiger Weise – die heutzutage jedem städtebaulichem Wettbewerb standhalten würde. Herr Karl Hoffmann wurde 1908 als geheimer Oberbaurat und ordentlicher Professor in der Baukunst an die Technische Hochschule in Darmstadt berufen.

Als Bautyp wählte man ein 1 ½-stöckiges Landhäuschen mit Vorgarten und kleinen Nutzgärten, dessen Erdgeschoß massiv und der Kniestock (Dachgeschoß) in Holzfachwerk ausgeführt wurden. 1904 ging man aus praktischen konstruktiven Gründen dazu über, das Dachgeschoß ebenfalls in massiver – also gemauerter Bauweise – auszuführen.

Zu Beginn der Baumaßnahmen hoffte man, einen Teil der Häuser mit 80 bis 85 m² Wohnfläche an kinderreiche Familien zum Alleinbewohnen vermieten zu können. Die Nachfrage – sprich Bezahlbarkeit – war jedoch so gering, daß man in allen Häusern von vornherein 2 Wohnungen plante. Vorgesehen waren Wohnungen mit 2 Zimmer bzw. 3 Zimmern und Küche mit 35 bis 35 m² bzw. 45 bis 50 m². Aufgrund der Nachfrage wurden bis zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 91 Zweizimmer-Häuschen mit 182 Wohnungen und 21 Dreizimmer-Häuschen mit 42 Wohnungen also insgesamt 112 Häuser mit 224 Wohnungen gebaut mit insgesamt 9.550 m² Wohnfläche und die ganze Siedlung erhielt im Volksmund die Bezeichnung "Kiautschau", zur Erinnerung an das gleichnamige Gebiet im fernen Osten, das vom Reich damals auf 99 Jahre gepachtet worden war.

Die Dreizimmer-Häuser wurden alle als frei stehende Häuser erstellt, die Zweifamilienhäuser als Doppelhäuser bis auf eine Ausnahme. Die Häuser waren alle voll unterkellert.

Die Grundstücksflächen pro Haus betrugen 120 bis 300 m² , im Durchschnitt 225 m². Die Nutzgärten wurden jeweils den Mietern anteilig zugeordnet.

Die Gesamtbaukosten der 112 Häuser betrugen 815.000,-- Mark = 15,34 Mark pro m² Wohnfläche. Die benötigen Finanzierungsmittel wurden anfangs durch das in 4 Jahresraten zu je 50.000,-- Mark eingezahlten Aktienkapital und durch eine Bürgschaft des Freiherrn Heyl zu Herrnsheim abgesichert auf Wertpapiere, auf die die Landesversicherungsanstalt in Darmstadt zunächst 50.000,-- Mark auf die spätere hypothekarische Beleihung der Häuser zur Verfügung stellte.

Die Gesamt-Hypothek nach Fertigstellung der Häuser betrug 591.450,-- Mark, die anfangs mit 3 % verzinst und 1 % getilgt wurden und ab 1912 mit 3 ½ % bei einem ½ % Tilgung.

Mit Fertigstellung der 112 Häuser war das der AG zur Verfügung stehende Baugelände bebaut, die Geldmittel aufgrund der hohe Beleihung erschöpft. Die Nachfrage nach billigen Kleinwohnungen in einem städtebaulich gut gestalteten Wohnumfeld, war weiterhin groß. Deshalb wurde auf der Generalversammlung im Jahre 1914 angeregt, das Aktienkapital um 120.000,-- Mark zu erhöhen, um auf einem von der städtischen Sparkasse zu günstigen Preisen angebotenen Gelände weitere 80 Häuser zu errichten. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 mußten diese Pläne zurückgestellt werden. Doch noch vor Kriegsende im März 1918 wurde die Sache vom Vorstand wieder aufgegriffen und die Erhöhung des Aktienkapitals um 300.000,-- Mark beantragt. Im Jahres 1919 wurde die Kapitalerhöhung beschlossen. Die Firma Cornelius Heyl AG zeichnete die Hälfte der Aktien, namhafte Beträge zeichneten die chemischen Fabriken sowie die Firmen Doerr und Reinhart, W.J.B. Valckenberg und die Vereinsbank Worms. Die Hälfte des neuen Aktienkapitals wurde im August 1919 eingerufen und eingezahlt. Weitere Einzahlungen erfolgten nach der Inflation im Jahre 1924 mit 25.000,-- Reichsmark.

Die wirtschaftliche Gesamtentwicklung Anfang der 20er Jahre – stark gekennzeichnet durch die eingetretene Inflation – beeinflußten auch das Planungs- und Bebauungskonzept der Gesellschaft.

Die offene Bauweise wurde zugunsten einer dreistöckigen Häuserblock-Bebauung aufgegeben, ohne jedoch Abstriche bei den bisherigen Anforderungen an den Wohnungszuschnitt zu machen. Das Baugelände wurde vom Freiherrn Heyl zu Herrnsheim unter Selbstkostenpreis an die AG verkauft, auf dem dann 3 Hauseinheiten – Stralenbergstraße 27 und 29 und Luperkusstraße 17 – mit insgesamt 15 Wohnungen – 3 Dreizimmer-Wohnungen und 12 Zweizimmer-Wohnungen mit insgesamt 670 m² gebaut worden sind. Den einzelnen Wohnungen war jeweils 1 Kellerraum und 1 kleiner Nutzgartenanteil zugeordnet.

In den ersten 25 Jahren wurden 115 Häusern mit 239 Wohnungen und 10.220 m² Wohnfläche fertiggestellt und an die vorgesehene Bevölkerungsschicht in Worms vermietet.

Die Entwicklung im 2. Vierteljahrhundert – 1923 – 1947

Die Inflation ging zu Ende und das Aktienkapital wurde in der Goldmark-Eröffnungsbilanz im Jahre 1924 mit 500.000,-- Goldmark eingesetzt. Da die Gemeinnützigkeitsverordnung jedoch ausdrücklich vorschrieb, daß bei Gewinnbeteiligungen und Rückzahlungen nur der Goldwert der geleisteten Einzahlungen berücksichtigt werden darf und diese nur 60.000 Reichsmark für die Nachkriegsaktie betrug, wurde im Jahre 1934 beschlossen, die Nachkriegsaktie im Verhältnis 5:1 zusammenzulegen. Damit betrug das Gesamt-Aktienkapital zum 30. Mai 1934 260.000 Reichsmark.

Bereits 1925 konnte der begonnene 3-stöckige Häuserblock mit 2 weiteren Häusern – Stralenbergstraße 23 und 25 – mit 9 Wohnungen, davon 3 Dreizimmerwohnungen, 6 Zweizimmerwohnungen mit insgesamt 405 m² Wohnfläche zum Abschluß gebracht werden.

In Fortsetzung der Bautätigkeit und als Abschluß der Siedlung an der Bebelstraße wurde 1927 mit der Errichtung der Häuserblockzeile entlang der Bebelstraße mit den Eckhäusern Benediktiner- und Glockengießerstraße begonnen, mit insgesamt 37 Wohnungen mit 1.965 m² Wohnfläche. Auch in diesen Häusern wurde jedem Mieter ein entsprechender Kellerraum und ein Teil Nutzgarten zugeordnet. Die weiteren Jahre beschränkten sich infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf die Unterhaltung und Verbesserung des Geschaffenen. Die Gartenzäune und die Außenanstriche wurden erneuert, sämtliche Dächer gründlich überarbeitet und die Wohnungen selbst in gutem Zustand gehalten. Um die Hygiene in den alten Häusern zu verbessern, wurden in den Jahren 1931 bis 1934 sämtliche WC mit Wasserspülung versehen und an das städtische Kanalnetz angeschlossen. Ebenso erhielten ab 1934 die Mehrzahl der Häuser, die bis dahin nur Gasbeleuchtung hatten, elektrisches Licht.

Im Jahre 1937 wurde die Bautätigkeit wieder aufgenommen. Mit Mitteln der städtischen Sparkasse und Reichsdarlehen wurden am Rheintorplatz 2 dreistöckige Häuser geschaffen, die am 1. August 1938 bezogen werden konnten.

Die darin geschaffenen 3 Zwei-, 8 Dreizimmer-Wohnungen und 1 Vierzimmer-Wohnung, alle mit Bad ausgestattet, waren sehr begehrt, so daß mit dem Bau von 4 Häusern in der Bebelstraße, mit 3 Drei- und 16 Zweizimmer-Wohnungen, davon 8 mit bewohnbarer Mansarde und alle mit Bad ausgestattet, begonnen wurde. Am 1 Juli 1939 wurden Sie bezogen. Weitere 7 Häuser mit zusammen 42 sog. Volkswohnungen wurden als Abschluß der Siedlung nach der Pfrimmanlage – Engelmannstraße 1, 3, 5, 7 und 9 und Alicestraße 45 und 47 im Jahre 1940 begonnen und im Jahre 1942 fertiggestellt.

Die im Jahre 1941 begonnenen 15 Wohnungen – Engelmannstraße 35, 37, 39 – konnten bis zum Jahre 1944 fertiggestellt werden. Grund und Boden für diese Baumaßnahme wurden von der Cornelius-Heyl-AG und der Stadt Worms käuflich erworben mit Ausnahme der 3 Häuser Engelmannstraße 35, 37 und 39, die mit eigenen Mitteln gebaut werden konnten, wurden sämtliche Häuser mit Mitteln der städtischen Sparkasse und mit Reichsdarlehen erstellt.

Nachdem die Gesellschaft bis Ende 1944 von größeren Kriegsschäden verschont geblieben war, hat sie in den letzten 3 Monaten des Krieges noch recht empfindliche Schläge erlitten.

Durch die 3 Fliegerangriffe wurden 18 Häuser vernichtet, 5 schwer und 6 weniger schwer beschädigt, die dann vorerst unbewohnbar waren. Insgesamt waren 58 Wohnungen vollkommen zerstört worden, 16 vorläufig nicht benutzbar. So gingen 17 % aller Wohnungen der Gesellschaft und 20 % der Mieteinnahmen verloren.

Die Wiederherstellung der beschädigten Häuser nach Kriegsende ging nur sehr langsam voran. Besondere Schwierigkeiten bereitete die Instandsetzung der umfangreichen Dachschäden, weil das durch die zuständigen Stellen zugewiesene Material gänzlich unzureichend war.

Das erste halbe Jahrhundert schloß somit mit der Herausforderung, die Kriegsschäden möglichst schnell zu beseitigen, völlig zerstörte Häuser wieder aufzubauen und sich getreu der gestellten Aufgaben und sozialen Zielen in das gemeinnützige Wohnungsprogramm in der beginnenden Nachkriegszeit einzubringen.

Bei Gründung der Gesellschaft legte man besonderen Wert darauf die Miete möglichst niedrig zu halten. Nicht von ungefähr spricht die Gesellschaft in ihrem ursprünglichen Namen ausdrücklich von der Erbauung billiger Wohnungen zum besten von Arbeitern. Daß dieser Grundsatz auch in der Praxis ausgeführt wurde, zeigt die Annahme der erstellten Wohnungen durch die arbeitende Bevölkerung. Über die Grundrißeinteilung der Wohnungen wurde niemals Klage geführt. Die niedrigen Mieten entsprachen den Möglichkeiten der Bewohner. So betrugen die Mieten bei Kriegsende 1945 für eine Dreizimmer-Wohnung im Erdgeschoß 24 Reichsmark und im Obergeschoß 19 Reichsmark. Für die Zweizimmer-Wohnungen waren 19 bzw. 13 Reichsmark zu zahlen.

Solche Mieten waren nur dadurch möglich, daß die Aktionäre mit nur einer niedrigeren Dividende auf ihr eingezahltes Kapital einverstanden waren. An Dividenden wurden in den ersten 4 Jahren 4 % gezahlt, von 1901 bis 1919 jährlich 3 %. Mit Ausnahme des Jahres 1908 wurden infolge eines Hagelschadens keine Dividende gezahlt. Auch für die Jahre 1922 bis 1932 fielen die Dividenden aus. Für 1933 wurden 5 % und die folgenden Jahre einschließlich des Jahres 1941 jedes Mal 3 % Dividende ausbezahlt. Die Jahre 1944 bis 1947 ließen ebenfalls keine Ausschüttung einer Dividende zu.

Die Entwicklung im 3. Vierteljahrhundert – 1948 – 1972

Die Währungsreform von 1948 mit dem bald danach einsetzenden stürmischen Wiederaufbau brachte neue Herausforderungen für die Gesellschaft. Neben den für den Erhalt der Bausubstanz wichtigsten Reparaturen, teilweise zusätzlich durch Mittel vom Kapitalmarkt und staatliche Hilfe finanziert, begann die Gesellschaft schon 1951 mit der Errichtung neuer Bauten wofür zur Mitfinanzierung auch der Erlös aus einem größeren Geländeverkauf von 13.000 m² zwischen Pfrimm und Bebelstraße an die Stadt verwendet wurde.

Mit der Währungsreform wurde die Erstellung einer DM-Bilanz für die Gesellschaft erforderlich.

Das Aktienkapital betrug weiterhin 260.000,-- DM, die Gesamtbilanzsumme 838.436,-- DM.

Insgesamt wurden im 3. Vierteljahrhundert durch die Gesellschaft 33 Häuser mit 177 Wohnungen wieder auf-- bzw. neu gebaut, darunter die 3stöckigen Mehrfamilienhäuser auf der Bebel-, Bensheimer-, Engelmannstraße, Robert-Schu-mann-Straße und Vangionenstraße sowie Am Rheintorplatz.

Dabei blieb weiterhin Zielsetzung, Wohnungen mit guten Grundrissen mit zeitgemäßer Ausstattung zu erschwinglichen Mieten im Rahmen des sozialen Mietwohnungsbaues anzubieten. Das dies gelungen ist, zeigt die Annahme dieser Wohnungen, die Mieterstruktur und deren Sozialverhalten bis heute.

Der Beginn des 3. Vierteljahrhunderts wurde wirtschaftlich geprägt durch die Währungsreform 1948. Die DM-Eröffnungsbilanz weist eine Bilanzsumme in Höhe von 838.436,00 DM aus und ein Aktienkapital in Höhe von 260.000,00 DM. Sparsames Haushalten war oberstes Gebot der Haushaltsführung. Ende der 50er Jahre gelang es erstmals wieder mit einem geringen Gewinn abzuschließen, doch erst 1965 konnte, nach 20 Jahren, wieder eine Dividende an die Aktionäre gezahlt werden. 1968 erfolgte dann aus der Rücklage eine Kapitalerhöhung, so daß den Aktionären damit ein Ausgleich für den Verzicht auf eine Dividende über viele Jahre gewährt werden konnte. Mit dieser Kapitalerhöhung wurde das Aktienkapital um 65.00,00 auf 325.000,00 DM erhöht.

Die Instandhaltung des Altbaubesitzes wurde im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Gesellschaft planmäßig weiterbetrieben.

Aufgeschlossenheit und Mitverantwortung von Stadtrat und Stadtverwaltung für die Wohnraumversorgung der arbeitenden Bevölkerung gewährleisteten, insbesondere in den Aufbaujahren, wertvolle Unterstützung durch die Stadt Worms.

Obwohl die Stadt kapitalmäßig nur geringfügig an der Gesellschaft beteiligt war, hat sie für drei Projekte Finanzierungsmittel in Höhe von 172.000,00 DM zu einem geringen Zinssatz zur Verfügung gestellt.

Durch Beschluß der Hauptversammlung im Jahr 1954 firmiert die Gesellschaft mit ihrem heutigen Firmennamen:

AG zum Bau von Wohnungen.

Am Grund- bzw. und Leitgedanken der Gemeinnützigkeit im Wohnungsbau wurde auch im Zuge der unternehmerischen Umwandlung des Hauptaktionärs nichts geändert. Seit 1951 beteiligte sich die Salamander AG (Kornwestheim) an der Cornelius Heyl AG. 1971 erwarb die Salamander AG den bis dahin von der Cornelius Heyl AG gehaltenen Aktienbesitz und wurde somit Mehrheitsaktionär.

In der Jubiläumsschrift zum 75jährigen Bestehen der Gesellschaft wird bezüglich der Zukunftsaufgaben ausgeführt: Die Gesellschaft steht vor einer der wichtigsten Etappen ihrer Geschichte. Phantasie wird dazu gehören müssen, wenn Wohn- und Lebensbedingungen verbessert werden sollen. Doch entscheidend wird es auf die finanzielle Decken ankommen, nach der sich auch künftig alle Planungen richten müssen. Althausbesitze der Gesellschaft, die in einem Gebiet mit gutem Wohnwert liegen, müssen vermehrt modernisiert werden. Wo die Grundrisse es nicht erlauben, kann nicht modernisiert werden – etwa durch den Einbau von Bädern. Ein Teil des Althausbesitzes aus den 1. Jahrzehnten der AG könnte abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden, wobei die Planung sich an den Erfordernissen der Zukunft orientieren muß. Berechtigte Bedürfnisse der Mieter sind zu befrieden, doch ist auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten dafür Sorge zu tragen, daß der Hausbesitz der Gesellschaft auch noch in 10, 20 Jahren angenommen wird.

Das 4. Vierteljahrhundert – 1973 – 1997

Das Geschehen im letzten Vierteljahrhundert war zunächst bestimmt durch die Überlegungen des Mehrheitsaktionärs der Salamander AG, sich von dem Wohnungsbau-Engagement im Rahmen der planmäßig betriebenen Trennung von nicht betriebsnotwenigen Vermögen zu lösen. Diese Überlegungen, die an die Öffentlichkeit drangen, riefen die Stadtverwaltung, die im Stadtrat vertretenen Parteien, Mitglieder der Landesregierung, die Mieter und die Sparkasse Worms als Minderheitsaktionär auf den Plan. Hauptziel aller Bemühungen war die Erhaltung der Sozialbindung des Wohnungsbesitzes und Bestrebungen, die Gemeinnützigkeit der Gesellschaft aufzuheben, eine eindeutige Absage zu erteilen. Der Bestand der Gemeinnützigkeit hatte eindeutig Vorrang vor den Rendite-Überlegungen des Mehrheitsaktionärs. Neben all diesen anerkennungswerten gemeinsamen Bemühungen, die Gemeinnützigkeit der Gesellschaft und damit auch die Interessen der Mieter langfristig zu sichern, ist das zielorientierte und engagierte Wirken des damaligen Vorstandsmitgliedes, Herrn Heinz Eichhorn, hervorzuheben.

Herr Heinz Eichhorn, seit 1965 Vorstandsmitglied der Gesellschaft, war zur gleichen Zeit auch Geschäftsführer der gemeinnützigen dfh-Siedlungsbau – das familiengerechte Heim – in Worms, einem Unternehmen der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie in Bensheim. Gründer des dfh und der Stiftung ist Herr Karl Kübel, der sich 1932 in Worms selbständig machte und die 3K-Möbel- und Spanplattenwerke aufbaute. Bereits 1949 wurde die erste Siedlung in organisierter Gruppenselbsthilfe in Worms-Horchheim für Familien mit geringem Eigenkapital und Einkommen geplant und in die Tat umgesetzt. Im Jahr 1972 entschloß sich Karl Kübel, sich ganz seinem eigentlichen Anliegen zu widmen, nämlich zu einer menschenwürdigeren und friedvolleren Gesellschaft beitragen zu helfen. Er brachte sein ganzes Betriebsvermögen und den größten Teil seines Privatvermögens in eine zuvor von ihm gegründete Stiftung ein. Diese Stiftung wurde dann auch Mehrheitsgesellschafter des dfh.

Herrn Heinz Eichhorn gelang es, Herrn Karl Kübel und den Stiftungsrat der Karl Kübel Stiftung, zu überzeugen, daß die Sicherung der Gemeinnützigkeit der AG zum Bau von Wohnungen für die dort lebende Bevölkerung von elementar-sozialer Bedeutung und hier das Engagement des dfh vonnöten sei.

Den Ankauf des Aktienpaketes hat die Karl Kübel Stiftung dem dfh durch eine Schenkung in Höhe von 1,0 Mio. DM ermöglicht. Mit dieser Schenkung hat die Karl Kübel Stiftung nachstehende Auflagen gemacht:

Es ist ein Sanierungsprogramm für die Siedlung zu entwickeln in der Absicht, die Qualität der Wohnungen auf das dem heutigen Standard entsprechende Niveau zu bringen und den Mietern familiengerechte Wohnungen preisgünstig anbieten zu können. Die Wohnungen sollen keinesfalls aus spekulativen Gründen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Es soll aber jederzeit interessierten Mietern die Möglichkeit geboten werden zu günstigen Konditionen Eigentum an ihren Wohnungen zu erwerben.

In der Wormer Zeitung vom 24.10.1979 wird ausgeführt:

Die vor 10 Tagen avisierte günstige Lösung für das Kiautschau, die Übernahme der Salamander-Aktien durch das familiengerechte Heim, gehört zweifellos zu den besten Beispielen einer Wormser konzertierten Aktion. Die Abwehr einer Aufhebung der Gemeinnützigkeit, die der AG zum Bau von Wohnungen eine ungewisse Zukunft hätte bringen können, ist von allen beteiligten Kräften, den Mitaktionären, den politischen Gruppen, der Aufsichtsbehörde in Neustadt und der Landesregierung erfolgreich betrieben worden. Alle können sich Mitverdienste anrechnen lassen, doch ohne die Karl Kübel Stiftung wäre ein Abschluß in dieser Form nicht zu erzielen gewesen.

Mit der so erreichten Klärung der Zukunft für die Gesellschaft wurde das bereits vom Vorstandsmitglied Heinz Eichhorn entwickelte Sanierungs- und Modernisierungsprogramm auf den Weg gebracht. Zu den Vorarbeiten gehörte auch, daß entsprechende Kontakte auf Bundes- und Landesebene geknüpft wurden, so besuchte im März 1979 der damalige Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Dr. Dieter Haag, auf Vermittlung des damaligen Landtagsabgeordneten Florian Gerster die Gesellschaft. Weitere Kontakte folgten, insbesondere mit dem Finanzministerium des Landes Rheinland-Pfalz, dem die Wohnungsbauförderung zugeordnet ist.